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Rothaarsteig 2006

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Auf Fahrt

Fahrtenbericht

Am Freitag den 13. September fuhr ich gegen 17.30 Uhr in Göttingen los, sammelte in Kassel Njörður ein und gemeinsam sausten wir durchs tiefste Hessen zum Rothaarsteig bei Siegen. Zum Glück hatten wir uns einiges zu erzählen, denn von Kassel aus fuhren wir noch über zwei Stunden. Mittlerweile war es dunkel geworden weshalb wir ein paar Meter vor Schluss noch einige Problemchen bekamen. Wir wussten, dass wir bei einem Parkplatz in einen Waldweg einbiegen und dann irgendwann links fahren müssten. Den Parkplatz fanden wir schnell, auch einen schönen Waldweg. Es war zwar stockfinster, aber wir rochen auch bald durch die offenen Fenster ein Lagerfeuer. Leider fanden wir aber den richtigen Abzweig nicht. Also fuhren wir noch mal zurück und befuhren einen anderen Wanderweg. Der führte uns zwar zu einer beleuchteten Hütte, aber leider zur falschen. Also nahmen wir wieder den ersten Weg und fanden den Weg zur Hütte genau dort, wo wir zuerst umgekehrt waren.

Vor dem Hüttchen flackerte ein Feuer und Tom, Albert und Sebi saßen davor und kochten ein paar leckere Würstchen in der Dose. Die Jungs hatten vorher auch schon Schwierigkeiten mit dem richtigen Weg gehabt, aber seit ihrer Ankunft nicht nur das Feuer angezündet, sondern auch die Kohte aufgestellt. Wir kamen also genau richtig!

Der Abend verging mit Singen und Erzählen und es wurde mal wieder richtig früh am Morgen, bevor auch der letzte einschlief. Der Wecker klingelte erst um halb elf, denn für elf Uhr hatten sich Tina und Andrea angesagt. Diese waren auch pünktlich wie die Maurer. Um fünf vor elf hörten wir eine Hupe aus dem Wald, die ich auch so schnell es ging mit meinem Auto beantwortete, um elf rollte Tinas Rennwagen auf den Platz.

Wir frühstückten, verteilten die Lasten, wobei Njörður und mir wieder klar wurde, weshalb Sebi und Albert nicht wie wir 60-Liter-Tramper, sondern Affen mitgenommen hatten. (Eine Ausnahme bildet da Toms alter Rucksack, der kaum größer ist als ein Affe, aber unter anderem einen Vier-Liter-Wasserkanister, einen Kocher und einen Benzinkanister beherbergte. In diesem Ding müssen die Gesetze der Physik außer Kraft gesetzt sein - allerdings NUR IN diesem Ding. Denn äußerlich litt der Rucksack stark unter der Last. Der erste Riemen riss gleich zum Abmarsch und musste mit Seil geflickt werden, der andere Riemen folgte am Sonntag morgen.) Natürlich drückten sich Albert und Sebi nicht ums Tragen, sondern Albert trug die Gitarre und Sebi die Töpfe in der Hand (jetzt wussten Njörður und ich wieder, wieso wir die großen Rucksäcke trugen).

Die Route sollte sich an diesem Tag mehrfach ändern. Denn eigentlich wollte Sebi eine 20-km- Tour zur Kohlenstraße machen. Dem fühlte sich eine Sperrminorität zunächst nicht gewachsen, und da wir hofften, abends noch durch Moritz verstärkt zu werden, planten wir die Route um. Da wir aber in den ersten zwei Stunden richtig gut und schnell voran kamen, verlängerten wir die Route noch zweimal, bis wir letztlich doch nahe der Kohlenstraße, an der Ederquelle herauskamen. Unterwegs hatte Andrea auch mal die Möglichkeit, arme Wanderer mit Alustöcken zurechtzuweisen, weil sie keine Gumminoppen auf die Stockspitzen gesetzt hatten. In Kassel bringen sie deren Komplizen nämlich regelmäßig Sonntags morgens um ihren heiligen Schlaf.

Unser Weg gab sich Mühe, nicht zu gemütlich zu sein. Es ging bergauf und bergab (Muskelkatergarantie) und wurde sogar ein bisschen gruselig. Denn unterwegs fanden wir ein Eichhörnchen, das wohl seine Schulden nicht beglichen hatte. Es lag auf dem Rücken und dort wo der Kopf sein sollte, befand sich ein riesiger blutiger Krater.

Um die Ederquelle, wo wir am späten Nachmittag ankamen, fanden wir ausgehobene Kindergräber! Na ja, es sah so aus. Das alles brachte uns nicht aus der Fassung und wir suchten und fanden einen kleinen Lagerplatz unweit des Weges. Wir hatten gerade die Kohte hochgestemmt und Feuerholz gesammelt, übrigens war der Wald an dieser Stelle besonders feucht und das Brennholz geradezu ekelhaft gammelig und pilzig, als plötzlich ein Mann mit Hund vor uns stand und zu wissen wünschte, was wir dort treiben würden. Ohne Genehmigung? Oh, oh, gerade sind Treibjagden und wenn der „Altrocker“ (häh?) euch erwischt, ... der (ah!) Altrogge zerrt euch vor Gericht! Geht mal lieber hier weg und dort vorne auf die Wiese. Alles klar, Meister, schon war er wieder verschwunden, und wir hatten das Zelt umgelegt. Natürlich fing es gerade an, dunkel zu werden. Eine Wiese fanden wir nicht. Also gingen wir die 300 Meter zurück zur Ederquelle (die Treibjagd würde kaum über die Quelle gehen) und bauten die Kohte dort auf. Es wurde auch langsam ziemlich frisch, aber um Meister Altrogge, den großen Förster, nicht zu erzürnen, der nur einige hundert Meter von uns entfernt im Forsthaus in seinem schweren Ledersessel vorm Kamin saß, den alten inkontinenten Jagdhund zu seinen Füßen, eine Schlachteplatte zu seiner Rechten und eine Meerschaumpfeife in der Linken, verzichteten wir auf ein Feuer und quälten Toms Kocher mit den Nudeln, der Soße und anschließend dem Tschai. Gesungen wurde diesmal nicht (Geräuschtarnung!), dafür erzählten wir Geschichten und lauschten den Geräuschen der Nacht. Besonders gut lauschte Tina, die wahrscheinlich froh war, als es wieder hell wurde.

Am nächsten Morgen bimmelte der Wecker um acht. Wir rechneten damit, dass ziemlich früh die ersten Spaziergänger zur Quelle eiern würden und wollten nicht unsanft von Fremden geweckt werden. Tatsächlich kamen die ersten Wandersleut´ auch schon um halb neun vorbei.

So schafften wir es auch rekordverdächtig, um neun schon wieder unterwegs zu sein. Es lagen noch rund 10 Kilometer vor uns. Dachten wir. Denn auf den letzten Kilometern hörte plötzlich die Beschilderung auf und wir waren mit der Karte alleine. Diese war zwar großartig, aber das Gelände war falsch! Deshalb mussten wir uns nach Gefühl orientieren. Machten wir auch. Und das gar nicht schlecht. Aber als wir schon ganz dicht dran waren, brauchten wir zweimal die Hilfe von Fremden, um nicht noch einen Extrabogen laufen zu müssen. Das hatte uns nicht im Urin gelegen.

Gegen Mittag ereichten wir wieder das Hüttchen, packten zusammen, fuhren noch gemeinsam zur Goldenen Möwe, wo wir ein etwas unpfadfinderisches, aber sehr nahrhaftes Mahl zu uns nahmen und fuhren dann zurück nach Hause.

Fazit: Eine gelungene Tour! Im Winter steht die nächste Fahrt an, diesmal hoffentlich auch mit all denen, die dieses Mal krank oder prüfungsgestresst waren.

Henning

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