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Island 2002 - Reykjavegur

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Inhaltsverzeichnis

Der Reykjavegur

-Von der Südwestspitze Islands ins Thermalgebiet Nesjavellir-

bizarre Felsformationen
bizarre Felsformationen

Kurzcharakteristik:

Diese Tour ist vor allem durch seine Einsamkeit geprägt; bis auf die Startpunkte und einige Stellen zwischendurch, in denen man die Haupverkehrsstraßen kreuzt, trifft man hier selbst in der Hochsaison kaum eine Menschenseele.

Dauer: 7- 8 Tage

Gesamtstrecke: 120 km

Anspruch: Hier ist vor allem eines wichtig: Orientierungsvermögen! Der Weg ist zwar weitestgehend durch gelb-blaue Pflöcke gekennzeichnet, aber einen erkennbaren Pfad oder Weg gibt es oft nicht. Da kann es schon vorkommen, dass man sich auf einem Lavafeld, umringt von Nebelschwaden wieder findet und den nächsten Pfosten nicht mehr findet. Um so etwas zu vermeiden ist der Umgang mit Karte und Kompass Grundvorraussetzung. Das Gelände an sich ist eigentlich relativ flach, bis auf einige Passagen braucht man nicht viel Steigung zu erwarten, meist führt der Weg über endlose Lavafelder…

An- /Abfahrt: Eine Möglichkeit, zum Leuchtturm Reykjanesviti zu gelangen, ist per Bus, der von Reykjavik über Grindavik auch dort vorbei fährt. Wer auf der sicheren Seite sein will, fährt mit dem Taxi. Vom Trampen ist hier jedoch abzuraten, da sich kaum einer in diese entlegene Stelle der Halbinsel verirrt… Anders sieht es in Nesjavellir aus, gerade am Wochenende kann man sich von den zahlreichen Ausflüglern nach Reykjavik mitnehmen lassen; als Alternative bleibt einem immer noch der Bus.

Übernachtung: An manchen Stellen hat der Wanderverein Hütten errichtet, die dem geplagten Wanderer immerhin einen trockenen Schlafplatz bescheren. Sonst findet die Übernachtung im Zelt statt. Einkauf: Es ist auf jeden Fall empfehlenswert, sich den Proviant für die gesamte Zeit im Vorhinein zu besorgen; es wird zwar im Laufe der 3. Tagesetappe zweimal eine Straße gequert, die direkt nach Hafnarfjörður führt, es ist jedoch reichlich Zeit und Glück vonnöten, um dort Erfolg zu haben…

Bemerkungen: Man sollte sich schon vor Beginn der Tour mit reichlich Wasser eindecken, denn während der 1. Tagesetappe wird man auf keines stoßen. Auch sonst ist mit dem Wasser stets gut zu haushalten, denn in dem vulkanisch jungen, sandigen Gebiet versickert dass Wasser sofort….

1. Etappe: Von den Vogelfelsen bis nach Grindavik

Bei Reykjanesviti angekommen, lohnt es sich auf jeden Fall, einen Abstecher zum Leuchtturm zu machen, von wo auch die eigentlich Tour beginnt… Doch Vorsicht vor den Küstenseeschwalben, die dort in riesigen Kolonien brüten und jeden Eindringling mit aggressiven (Schein-) Angriffen zu verjagen versuchen. Abhilfe schafft es hier, nicht alleine herumzulaufen und sich einen Stock über den Kopf zu halten.

Vom Leuchtturm aus beginnt der Weg in Richtung Norden, führt einige Zeit in Küstennähe entlang und bricht dann, eine Verkehrsstraße querend nach Osten ab. Wer vorher schon dachte, er laufe durch eine Mondlandschaft, wird hier noch einmal eines besseren belehrt. Der Weg führt über endlose schwarze Sandwüsten, gespickt mit schwarzen Felsbrocken. Wichtig ist es hier, immer die Pfosten im Auge zu behalten, sonst kommt man leicht vom Weg ab.

ein Vulkan spendet willkommene Wärme
ein Vulkan spendet willkommene Wärme

Nach einigen Kilometern nimmt die Vegetation merklich zu. Der Weg führt nun, entlang alter Steinmänner über moosbewachsene Lavafelder. Bald führt der Weg über den Prestastígur(dt. Pfarrerpfad), einen vor Jahrhunderten schon vielgenutzten Verbindungsweg zwischen zwei mittlerweile verschwundenen Gemeinden.

Schließlich erreicht man Eldvörp, eine ca. 10 km lange, inzwischen inaktive Vulkanspalte. Von einer hier angebrachten Bohrung für das Geothermalkraftwerk an der "Blauen Lagune", dessen weiße Rauchschwaden bereits am Horizont zu erkennen sind, führt eine Schotterstraße eben dorthin.

Der Reykjavegur hält sich jedoch rechts davon, führt schließlich über ein von Gräben übersätes Lavafeld völlig überraschend in eine kleine Talsenke am Fuße des &ÞorN;orbjarnafell, wo sich auch eine kleine Wanderhütte an das Lavafeld anschmiegt, das Ziel der heutigen Etappe. Wasser sollte man hier aus den Wasserhähnen des Toilettenhäuschens bekommen, bei unserem Aufenthalt war jedoch die Zuleitung kaputt, und wir mussten es uns aus der Zisterne schöpfen.


2. Etappe: Von Grindavik zum einsamen Tal Leirdalur

über alte moosbewachsene Lavafelder
über alte moosbewachsene Lavafelder

Es ist hier unbedingt zu beachten, dass es in der Nähe des Etappenziels, im Leirdalur kein Wasser gibt, und auch auf der nächsten Etappe ist vorerst keins zu finden. Also deckt man sich am Besten an der Wanderhütte noch mit Trinkwasser ein.

Der Weg führt nun an der Nordseite des Þorbjarnafell am Rand eines Lavafeldes entlang, bis man an den Heißwassertanks des Geothermalkraftwerks die Straße 43 passiert. Nun folgt ein kleiner Aufstieg auf eine Hochebene, einige Zeit später wird ein Zaun gekreuzt. Vorbei an dem alten Vulkankrater auf der Vatnsheiði wird die Nordseite des Hrafnshlið umrundet. Die Gegend wird merklich karger, nur wenige Schafe grasen das wenige Grünzeug, das hier noch wächst, ab. Zwischen Slaga und Borgarfjall fällt der Weg nun sehr steil ins Tal Drykkjarsteinsdalur ab. Schon kurze Zeit später führt der Weg wieder einen steilen Abhang hinauf, führt dort einige Zeit auf einer Ebene entlang, vereinzelte umspülte Grassoden säumen den Weg, bis der Weg schließlich ins Leirdalur abfällt, dem heutigen Etappenziel. Am Besten schlägt man hier sein Zelt auf einer der vereinzelten Grassoden auf.

3. Etappe: Von Leirdalur zum schönen See Djúpavatn

endlich Wasser!
endlich Wasser!

Die Etappe beginnt mit einem Anstieg, der Pass Bratthals und das dahinter liegende Lavafeld werden überquert und man verlässt zwischen den Palagonitbergen Höfði und Sandfell hindurch das Palagonitgebirge Fagradalsfjall. Über ein Lavafeld hält man nun auf den lang gezogenen Bergzug Nupshliðarhals zu, den man dann an dessen Westseite nach Norden entlang eines Jeeptracks folgt. Man lasse sich hier nicht davon verwirren, dass hier und dort keiner der gelb- blauen Pflöcke zu sehen ist, der Grossteil von ihnen wurde wohl von Jeeps umgemäht. Nach einigen Kilometern kommt in einüppigeres Gelände, zur "Oase" Selsvellir, auf dessen saftige Weiden schon früher die Bauern ihre Tiere weiden ließen und auch heute noch massenhaft Schafe anzutreffen sind.. Hier lässt sich nach der langen Durststrecke auch endlich wieder Wasser finden. So gestärkt geht es weiter in Richtung Norden und kurz darauf weichen die grünen Wiesen wieder der Lavawüste, mit gelb- grünem Moos bewachsen. An der Nordseite des Gebirgszuges Grænavatnseggiar beginnt nun der steile Aufstieg zum Spákonuvatn (dt. See der Wahrsagerin), von wo der Weg über einen Pass hinunter zum Djúpavatn führt. Auch hier wurde am Nordostende des Sees eine Wanderhütte im gleichen Stil wie bei Grindavik errichtet.

4. Etappe: Vom Djupavatn nach Kaldarsel

ein beschwerlicher Aufstieg
ein beschwerlicher Aufstieg

Der Großteil der Etappe führt auf einem großen Lavafeld entlang, ständiger Begleiter ist rechter Hand der Bergrücken Sveifluháls. Die meiste Zeit führt der Weg über alte Schafspfade. Nachdem der Weg kurz ansteigt windet er sich in einem Halbkreis um die Südflanke des Sandfell bis er dann bei starkem Gefälle zu einem Steinbruch herabführt. Es folgt ein Balanceakt über große und kleine Gesteinsbrocken entlang eines Lavafeldes bis schließlich die Straße 42 gequert wird. Hier besteht evtl. eine Chance nach Reykjavik zu trampen und sich (falls nötig) mit Nahrungsmitteln einzudecken. Es ist jedoch viel Geduld vonnöten, da die Straße hauptsächlich von Lkws befahren wird, die den Steinbruch anfahren. Östlich der Straße führt der Weg weiter entlang eines Jeeptracks an dem Gebirgszug Undirhliðar entlang, bis eine zweite Straße, die Nr. 417 gequert wird. Weiter geht es durch hüfthohes Gestrüpp über einen Weg, der offensichtlich hauptsächlich von Motocrossfahrern genutzt wird. Schließlich macht der Weg eine Rechtsbiegung und Kaldarsel ist errreicht. Spätestens jetzt kommt die Enttäuschung: Der auf der Karte eingezeichnete See ist stark umzäunt, es gibt keinen Zugang. Das Wasser besorgt man sich am besten von den nahe gelegenen Wohnhäusern. Als Zeltplatz bieten sich die Grassoden südlich des Sees an.

  • Abstecher zum Helgafell (1 - 1 ½ h hin & zurück)Von Kaldarsel ist ein Abstecher zum südöstlich liegenden Helgafell sehr empfehlenswert, der sich von Norden recht gut besteigen lässt. Von dessen Gipfel hat man bei gutem Wetter eine hervorragende Sicht über eine weite, von Spalten und Verwerfungen flankierte Depression, eine eindrucksvolle Darstellung über den Verlauf des Mittelatlantischen Rückens.

5. Etappe: Von Kaldarsel auf den Berg Bláfjöll

endlich - der erste isländische Baum!
endlich - der erste isländische Baum!

Von Kaldarsel hält man auf den im Osten ligenden kleinen Bergzug zu, dem Valahnúkar den man auf dessen Nordseite passiert. Hier findet man überraschenderweise eine kleine Oase, die sich an den Berg anschmiegt. Ein kleiner Abstecher ist auf jeden Fall lohnenswert, denn so saftige grüne Wiesen und hohe Bäume wird man die nächste Zeit nicht zu Gesicht bekommen. Es findet sich hier auch eine kleine Höhle. Von hier aus führt der Weg nach Nordosten relativ lange über ein Lavafeld. Markiert ist dieser alte Handelsweg zusätzlich durch alte Steinmänner.

Schließlich wird die Straße 417 an einer Notschutzhütte gequert und der Weg hält weiter auf das vor uns liegende Gebirge mit dem Paß Grindaskörð zu, den es zu bewältigen gilt. Vorher ist jedoch eine sehr steile Strecke in Serpentinen zu bewältigen. Trittsicherheit ist hier absolut erforderlich. Oben angekommen wartet eine lange Strecke über moosbewachsene Fladenlava auf den Wanderer. Nebel und Regenwetter sind in dieser Höhe keinesfalls unüblich, dann ist absolute Konzentration vonnöten, einen ausgetretenen Weg gibt es nicht und der nächste blau- gelbe Pflock ist bei starkem Nebel manchmal kaum zu erkennen. Bei gutem Wetter kann man jedoch die beiden großen Vulkankegel Stóra- Kómgsfell und Drottning sehen, die aus der letzten Eiszeit stammen. Nach dieser Etappe ist schließlich auch das Skigebiet Bláfjöll (dt.: blaue Berge) erreicht. Die Skihüte ist jedoch ausserhalb der Saison geschlossen, es gilt also, sich hier einen windgeschützten Platz für sein Zelt zu Suchen.

6. Etappe: Vom Bláfjöll nach Sleggjubeinsdalir

Sleggjubeinsdalir
Sleggjubeinsdalir

Diese Etappe beginnt mit einem weiteren Anstieg, auf der Südflanke wird der Bláfjöll umrundet. Nach ca. 4 km, auf Höhe des Kerlingarhnukur erreicht der Reykjavegur mit 620m seinen höchsten Punkt. Im Süden ist eindrucksvoll der Schildvulkan Heiðin ha, der Größte auf dieser Halbinsel zu sehen. Nun geht es an den Abstieg. Entlang von Schmelzwasser ausgespülten Rinnen hält man auf das am Fuße des Bláfjöll liegende Lavafeld zu. Hier folgt man ca. 3,5 km einem alten Reitweg, dem Ólafssarðvegur an der Ostseite des Bergmassivs bis der Weg an einer Gabelung nach Osten abknickt, auf den Lambafell zu. Hier führt der Weg über einen kleinen Paß zwischen Lambafell und Lambafellshnúkur hinab zu Ringstraße. Es wird die Straße nach &ÞorN;orlákshöfn gequert, dann geht es eine kurze Strecke an der Ringstraße entlang, bis eine Straße nach links abzweigt. Dieser folgt man, bis man das Skigebiet am Skarðsmýrarfjall erreicht.

Es bietet sich an, sein Zeltlager im Norden in einem windgeschützten Tal , dem Sleggjubeinsdalur aufzuschlagen. Hier findet sich auch ein Bach. Wer Wert auf ein Dach über dem Kopf legt, kann die weiteren 3-4 km bis zur Wanderhütte im Engidalur zurücklegen.

7. Etappe: Vom Sleggjubeinsdalur nach Nesjavellir

Erosionsspuren
Erosionsspuren

Der im Norden liegende abgerundete Palagonitberg Húsmúli wird im Westen auf Wegen umrundet, die wiederum hauptsächlich von Motocrossfahrern genutzt werden, bis man den Flusslauf des Engidalskvisl erreicht. Diesem folgt man, bis man nach einigen Flussbiegungen linker Hand die Wanderhütte erreicht.

Die Hütte ist offenbar recht neu und bietet Schlafplätze für 12 Personen. Weiter geht es durch das Tal Marardalur, welches von steilen Kliffs eingerahmt wird, anschließend ist ein sehr steiler Aufstieg zu bewältigen bis man seinen Weg durch das Gebirge fortsetzt. Bei gutem Wetter eröffnet sich hier ein wunderschöner Blick, auf der einen Seite bis nach Reykjavik, auf der anderen Seite über den Þingvallavatn. Hier gabelt sich der Weg, führt einerseits nach Norden zu einem Parkplatz oder nach Osten zum Thermalkraftwerk Nesjavellir, wo schließlich auch der Reykjavegur sein Ende findet.